Warum ich mein Buch im Selfpublishing veröffentliche, was mich daran reizt, und wie es sich anfühlt, wenn man das eigene Werk endlich als Probeexemplar in Händen hält.
Der Traum vom eigenen Buch – und der Realitätstest
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich „Noch nicht das Ende“ unter das letzte Kapitel von Game Over – Die Paketsache getippt habe. Es war ein Gefühl zwischen Stolz und Erleichterung – und dieser lauten Stimme im Kopf, die mich gefragt hat: Und jetzt? Wie geht es weiter?
Nicht, dass ich nicht ohnhin schon vorher daran gedacht hätte. Aber wie alle, die schreiben, habe ich natürlich zuerst vom Verlag geträumt. Vom Anruf mit den magischen Worten: „Wir wollen Ihr Buch veröffentlichen!“
Aber: Die Realität ist, dass Verlage heute selten ein Risiko eingehen – und mein Buch nun mal ein kleines Genre-Chamäleon ist. Eine Mischung aus Krimi, schwarzer Komödie und Charakterstudie. Nicht eindeutig einzuordnen, aber genau das macht es für mich besonders.
Also habe ich beschlossen, anstatt abzuwarten und auf ein Verlagswunder zu hoffen, die Zügel in die Hand zu nehmen und mit dem Selfpublishing zu beginnen.
Warum Selfpublishing?
Nun, ich hatte die Wahl, weitere Verlagshäuser anzuschreiben und zu warten oder einen Schritt nach vorne zu setzen und es selbst anzugehen. Beim Selfpublishing hast du zudem Freiheit und Kontrolle, sowie die volle Verantwortung und Gestaltungsmacht. Ich entscheide über Cover, Papier, Satz, Preis – und auch darüber, wie viel Herzblut in jede einzelne Seite fließt.
Das klingt zwar irgendwie romantisch, ist aber manchmal auch einfach nur viel Arbeit.
Denn beim Selfpublishing kümmerst du dich selbst um das Lektorat, Korrektorat und wo dein Buch gedruckt werden soll. Außerdem bist du – so wie in meinen Fall – Grafikerin und Marketingabteilung in Personalunion. Und wenn du glaubst, das Schreiben sei die schwierigste Etappe – warte, bis du über ISBN-Nummern, Preiskalkulationen und Druckunternehmen (BoD, Tolino, Amazon, Tredition uvm.) nachdenkst.
Aber dann … dann kommt der Moment, in dem du dein Probeexemplar bestellst.
Und wartest.
Und wartest.
Das erste Buch in Händen halten
Ich bekomme in den nächsten Tagen mein Probeexemplar. Und ich sage ganz ehrlich: Ich bin jetzt schon aufgeregt.
Was, wenn das Schwarz nicht schwarz genug ist?
Oder schlimmer: wenn ich plötzlich einen Tippfehler auf Seite 1 finde? Ich werde welche finden, da bin ich mir 100%ig sicher, aber jetzt kann ich sie ja noch ausbessern 😉
Aber tief im Inneren weiß ich: Egal, wie es aussieht – es wird mein Buch sein.
Jede Zeile, jeder Satz, jede schräge Figur – alles stammt aus meinem Kopf.
Das ist das Schöne am Selfpublishing: Es ist kompromisslos ehrlich.
Niemand glättet dir die Ecken, niemand nimmt dir die Verantwortung ab – aber auch niemand nimmt dir das Gefühl, alles selbst geschafft zu haben.
Zwischen Stolz und Selbstzweifel
Natürlich gibt es Momente, in denen ich mich frage, ob ich das Richtige tue.
Ob das Cover wirklich funktioniert.
Ob Leser*innen mit meiner Art von Humor etwas anfangen können.
Ob man mich überhaupt liest.
Aber dann erinnere ich mich daran, warum ich angefangen habe zu schreiben: nicht, um in Bestsellerlisten zu landen, sondern weil ich die Geschichten in mir entdeckt habe, und sie zu Papier bringen wollte. Ich habe sie gesehen, gehört, geträumt – und jetzt dürfen sie hinaus in die Welt.
Selfpublishing ist für mich der Weg, meine Stimme so zu lassen, wie sie ist – ungeschliffen, echt, ein bisschen eigen. Und genau so mag ich’s.
Das Abenteuer beginnt erst
Ich weiß, der Weg hört mit dem Druck des Buches nicht auf.
Jetzt kommen Marketing, Lesungen, Sichtbarkeit – all die Dinge, die man als Autorin gerne mal verdrängt, bis sie klopfen und sagen: „Hallo, da wären wir!“
Aber ich freue mich darauf.
Ich freue mich auf den Moment, in dem ich das erste Exemplar in Händen halte, die Seiten durchblättere, den Geruch von Druckerschwärze einatme – und denke:
Ich hab’s wirklich getan.
Und wenn alles passt, dann geht’s in den Druck – und Game Over – Die Paketsache wird endlich in die Welt entlassen.
Bis dahin: bitte Daumen drücken, dass der Umschlag so wird, wie ich es mir vorgestellt habe. 😉
Fazit: Selfpublishing ist kein Plan B
Für viele klingt Selfpublishing nach „nicht genommen werden“.
Für mich ist es das Gegenteil: eine bewusste Entscheidung. Es ist Mut, Unabhängigkeit und Liebe zum Detail in einem.
Und vor allem: Es ist ein Abenteuer, über das ich mich mit jedem Schritt, den ich setze, mehr und mehr freue.
Alles Liebe
Iris
