30 Stunden Job, Designaufträge, Familie, Hund — und zwischendrin noch ein Krimi. Wie ich Zeit managen, dranbleiben und trotzdem Freude am Schreiben behalten. Meine besten Tipps für alle die auch mal ein Buch schreiben wollen und ihren Schreiballtag planen möchten.
Balance heißt nicht alles gleichzeitig perfekt machen
Ich habe einen 30 Stunden Job, schreibe in der übrigen Zeit und übernehme fallweise Designaufträge (mehr dazu auf farbwortwelt.at). Kurz: Zeitmanagement ist Pflichtprogramm.
Der Haushalt will erledigt werden, Mann und Kind wollen Zuwendung — und der Hund findet immer die Socken, die eigentlich schon in der Waschmaschine wären. Spoiler: Die Wäsche stapelt sich gelegentlich. Meine Familie ist da sehr geduldig. Besonders, was die Socken angeht.
Und genau das ist die wichtige Erkenntnis: man kann nicht auf allen Ebenen gleichzeitig gleich viel leisten. Also habe ich ein Abkommen mit mir selbst (und mit der Familie): Prioritäten setzen — und mit gutem Humor leben, wenn die Wäsche mal wieder ein Eigenleben entwickelt.
Tipp 1 — kleine, feste Schreibzeiten statt „irgendwann mal“
Was für mich wirklich den Unterschied gemacht hat: dranbleiben. Sobald ich zu lange Pause mache, fällt mir der Einstieg viel schwerer. Deshalb setze ich auf kurze, verlässliche Schreibfenster. 30–60 Minuten am Stück können Wunder wirken. Wichtig ist die Regelmäßigkeit — nicht die Länge.
Praktisch: Kalendereintrag mit Blocker-Status („Nicht stören — Schreiben“).
Tipp 2 — die ersten Seiten gehören oft in den Mistkübel (aber schreiben musst du trotzdem)
Wenn du anfängst, merkst du schnell: Die ersten Seiten lesen sich oft nach Rohmasse. Bei mir gilt: wegschmeißen oder radikal überarbeiten — beides ok. Die Überarbeitung bringt oft das wahre Potenzial ans Licht. Also: erwarte nicht, dass die Rohfassung perfekt wird. Sie ist der Weg dahin.
Und dann kommt der magische Moment: Plötzlich verselbständigt sich das Schreiben. Ich tippe und tippe — und bin selbst überrascht, welche Einfälle auftauchen.
Tipp 3 — Stimmung & Musik sind alles
Die richtige Stimmung macht bei mir 50 % der Arbeit. Musik hilft mir, die „Tonart“ der Szene zu treffen:
- Bei Sophia liefen nebenbei italienische Oldies.
- Bei Lalibri waren es Musicals.
- Bei Smirnow klassische russische Stücke.
- Bei Oliver: Vivaldis Vier Jahreszeiten.
Und für meinen Historienroman: epische Filmmusik.
Dasselbe Prinzip nutze ich für meine Design- und Textaufträge auf farbwortwelt.at: Ich suche eine musikalische „Stimme“, die zur Person passt — das hilft, die Tonalität und Tiefe zu treffen, egal ob fiktive Figur oder echte Kundin. Musik ist mein Shortcut in die Gefühlswelt einer Geschichte.
Tipp 4 — Recherche macht Spaß (und manchmal etwas nervös)
Ich liebe Recherche. Welche Waffen werden verwendet? Wie wirken bestimmte Substanzen? Bleiben die Augen nach dem Tod offen oder geschlossen? (Meistens sind sie geschlossen — aber für die Dramaturgie im Roman sieht offen oft besser aus.)
Ich gebe zu: Meine Google-Recherchen sind gründlich. Vielleicht stehe ich irgendwann auf einer geheimen Liste verdächtiger Web-Aktivitäten. Aber: Recherche bereichert die Welt deines Romans, macht Details glaubwürdig und bietet oft neue Storyideen. Und interessant, was man neben noch dazulernt.
Tipp 5 — kleine Rituale halten die Kreativität am Leben
Rituale helfen mir, vom Alltag in den Schreibmodus zu wechseln: Kaffee, ein bestimmtes Notizbuch, ein Duftkerzchen oder meine Playlist auf Repeat. Sie signalisieren dem Gehirn: Jetzt ist die Zeit zum Schreiben da, die Arbeit beginnt — aber eine, die echt Spaß macht.
Zum Abschluss: Geduld mit dir selbst — und mit der Wäsche
Mein Alltag ist ein Jonglierakt: Job, Designprojekte, Familie, Hund, Haushalt — und das Schreiben in den Zwischenräumen. Wichtig ist, sich selbst nicht dauernd zu verurteilen, wenn nicht alles perfekt klappt. Geduld (mit sich und anderen) ist ein unterschätztes Schreibwerkzeug. Und: schwarzer Humor hilft, wenn die Socken mit Verschwörungsabsichten aus der Waschmaschine verschwinden.
Wenn du einen Tipp mitnimmst: Fang an. Auch 15 Minuten täglich sind besser als gar keine. Und such dir eine Playlist — sie ist oft näher an einer Muse als man denkt.
Alles Liebe
Iris
